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10.04.2012

Berghaus Girlen – Abgeschiedenheit für Asylsuchende

Das abgelegene Lagerhaus Girlen wurde per Ende Februar 2012 in ein Asylzentrum umfunktioniert. Etwa 50 Personen - ausdrücklich männliche Asylsuchende - wurden zu Beginn einquartiert, inzwischen ist noch knapp die Hälfte dort. Darunter eine Familie mit Kindern.
Girlen gilt als dreimonatiges Pilotprojekt. Deshalb, weil eine Unterkunft für eine grössere Gruppe im Kanton St. Gallen neu ist.
Der Alltag der Asylsuchenden spielt sich fern des nächsten Dorfes ab. Ebnat-Kappel liegt sechs Kilometer entfernt. Bei 600 Höhenmetern bedeutet das mindestens eineinhalb Stunden Fussmarsch pro Weg. Die angekündigte Transportmöglichkeit existiert nicht. Wer Post erhält, muss diese im Dorf abholen.
Die örtliche Abgeschiedenheit wird durch mangelhaften Informationszugang verstärkt. Internet, Festnetzanschluss, Radio oder Zeitungen gibt es nicht oder ist nicht zugänglich. Kommunikation via Handy ist kaum möglich, da es Asylsuchenden gesetzlich verboten ist, sich für eine Prepaid-Karte registrieren zu lassen. Lediglich ein TV-Gerät steht zur Verfügung. Abgesehen von ein paar Fitnessgeräten gibt es keine Beschäftigungsmöglichkeiten für die jungen Männer. Deutschkurse werden keine angeboten.
Geschlafen wird in Zimmern mit acht und zwölf Kajütenbetten, in denen es nur wenig Platz für persönliche Dinge gibt. Abschliessbare Schränke fehlen gänzlich.
Im Haus Girlen wird nicht gekocht, das Essen wird morgens für den ganzen Tag geliefert. Die Asylsuchenden werden häufig nicht satt oder beklagen sich über qualitativ schlechtes, unausgewogenes Essen.

Die Asylunterkunft Girlen wird von der privaten Betreuungsfirma ABS geführt. Um einen Imageschaden durch Unannehmlichkeiten zu vermeiden, wird die einheimische Bevölkerung auf der Homepage der Gemeinde Ebnat-Kappel dazu aufgefordert Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Asylunterkunft und ungewöhnliches Verhalten der Asylsuchenden zu melden.

 

 

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